Gesundheitsmanagement und Pflege von Meerschweinchen und Kaninchen
Ein tiermedizinischer Leitfaden
Meerschweinchen und Kaninchen sind beliebte Kleinsäugetiere, deren Ansprüche an eine artgerechte Haltung oft noch immer unterschätzt werden. Bei Kaninchen und Meerschweinchen sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen genauso wichtig wie bei Hunden und Katzen.
Diese Untersuchungen ermöglichen den Tierärzten, potenzielle gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Es ist wichtig zu betonen, dass die genauen Vorsorgeuntersuchungen von individuellen Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand und Lebensumständen des einzelnen Tieres abhängen. Allgemeine Gesundheitschecks beim Kleinsäuger-erfahrenen Tierarzt (!) sollten mindestens zweimal im Jahr durchgeführt werden.
Dazu gehören unter anderem folgende Untersuchungen:
- Gewichtskontrolle: Eine regelmäßige Überprüfung des Gewichts ist wichtig, um sicherzustellen, dass das Tier weder unter- noch übergewichtig ist. Ungewöhnliche Gewichtsveränderungen können auf gesundheitliche Probleme hindeuten.
- Zahnkontrolle: Kaninchen und Meerschweinchen haben ständig nachwachsende Zähne, die zu Problemen führen können, wenn sie nicht richtig abgenutzt werden. Regelmäßige Kontrollen der Zähne sind daher entscheidend.
- Krallenkontrolle: Es ist wichtig, die Krallen zu überprüfen, um sicherzustellen, dass sie nicht zu lang werden und das Tier dadurch Probleme beim Laufen bekommt.
- Impfungen: Kaninchen sollten je nach verfügbarem Impfstoff mindestens 1x jährlich gegen Myxomatose und RHD (Rabbit Hemorrhagic Disease) geimpft werden.
- Parasitenkontrolle: Regelmäßige Untersuchungen auf Parasiten wie Flöhe, Milben und Würmer, ggf. auch durch mikroskopische Kotuntersuchungen.
- Blutuntersuchungen: Bei älteren Tieren oder solchen mit bekannten Vorerkrankungen können Blutuntersuchungen Aufschluss über den Gesundheitszustand geben.
- Beratung zu spezifischen Rassen: Bestimmte Rassen können anfälliger für spezifische gesundheitliche Probleme sein. Der Tierarzt kann spezifische Ratschläge für die Pflege und Gesundheitsvorsorge geben.
Einige dieser Untersuchungen, wie zum Beispiel, die Gewichts- oder Krallenkontrolle können und sollten bereits durch den Halter der Tiere in regelmäßigen Abständen zu Hause durchgeführt werden.
Gesundheitsfallen bei kleinen Heimtieren
Es gibt einige klassische Gesundheitsfallen, auf die man bei der Haltung von Kaninchen und Meerschweinchen besonders achten sollte.
- Falsche Ernährung ist einer der häufigsten Ursachen für medizinische Probleme beim Kleinsäuger: Eine unausgewogene bzw. falsche Ernährung kann zu Verdauungsproblemen, Zahnproblemen und anderen ernährungsbedingten Gesundheitsproblemen führen.
- Mangel an Bewegung: Kaninchen und Meerschweinchen benötigen viel Platz zum Herumlaufen und Erkunden. Ein Mangel an Bewegung kann zu Fettleibigkeit und muskulären Problemen führen.
- Soziale Isolation: Kaninchen und Meerschweinchen sind sehr soziale Lebewesen und sollten niemals allein gehalten werden. Ein Mangel an sozialer Interaktion kann zu Stress und Verhaltensproblemen führen.
- Unterschätzung von Stressauslösern: Die meisten Kleinsäuger sind empfindlich gegenüber Lärm und plötzlichen Bewegungen. Eine stressige Umgebung kann zu Angstzuständen und Gesundheitsproblemen führen.
- Mangelnde Hygiene: Ein vernachlässigtes Gehege oder unsauberes Einstreumaterial kann zu Infektionen und Parasitenbefall führen.
- Nichterkannte Schmerzen: Kleinsäugetiere können Schmerzen gut verbergen. Anzeichen wie verminderte Aktivität, Appetitlosigkeit oder eine veränderte Körperhaltung sollten ernst genommen werden.
- Unzureichender Schutz vor Witterungseinflüssen: Im Freien gehaltene Kaninchen und Meerschweinchen benötigen einen geschützten Bereich, um sich vor extremen Temperaturen, Nässe und Wind zu schützen.
- Unvorsichtiger Umgang: Zu grobes oder unsachgemäßes Handling kann zu Verletzungen führen, insbesondere bei Kaninchen, die sehr empfindliche Wirbelsäulen haben.
Im Vorfeld über tiergerechte Haltung informieren
Kaninchen und Meerschweinchen sind sehr anspruchsvolle Haustiere, deren Haltung oftmals unterschätzt wird. Daher ist es ratsam, sich vor der Anschaffung eines neuen Haustieres bereits im Vorfeld zu informieren und abzuwägen, ob man den Bedürfnissen der Tiere gerecht werden kann. Anlaufstellen für fachkundige Ratschläge hierfür sind Heimtierkundige Tierärzte, erfahrene Züchter oder Internetseiten wie z. B. www.kaninchenwiese.de.
Die ersten Tage mit einem Hund aus dem Tierschutz
Mit Routine, Ruhe und Erwartungssicherheit einen guten Start schaffen
Hunde aus dem Tierschutz, die gerade erst adoptiert wurden, sind in ihrem neuen Zuhause anfangs mit unglaublich vielen neuen Eindrücken konfrontiert. Viele von ihnen reagieren darauf mit Überforderung, Unsicherheit oder Angst. Doch warum ist das so? Insbesondere für Auslandstierschutzhunde ist es zumeist das erste Zuhause ihres Lebens. Sie kennen weder das Wohnen in einem Haus, noch Menschen, die sich um sie kümmern, geschweige denn Spaziergänge und viele andere Dinge.
Schlichtweg alles ist neu. Sich in dieser Situation in die Hunde hineinzufühlen und zu versuchen nachzuvollziehen, wie es ihnen geht, kann uns Menschen helfen sie besser zu verstehen. Dazu können wir uns folgendes vorstellen:
Nach einer 24-Stunden-Reise werden wir in einem Ort eines uns völlig fremden Landes abgesetzt. Jemand schiebt uns in ein Haus, gefüllt mit völlig fremden Menschen, deren Sprache uns gänzlich fremd ist. Wir wissen absolut nicht, wie wir uns verhalten sollen …
So oder so ähnlich geht es wohl vielen Hunden aus dem (Auslands-)Tierschutz. Auch uns Menschen würde solch eine Situation verunsichern und, je nach Vorerfahrung, verängstigen.
Meiner Erfahrung nach entsteht, kurz nach Einzug des Hundes, oft sehr bald der Wunsch dem neuen Familienmitglied die Welt zu zeigen und der Gedanke den Hund auslasten zu müssen. Doch für die Neuankömmlinge ist anfangs nur eines wichtig: All die ungewohnten, oft Furcht einflößenden Eindrücke zu verarbeiten und dafür braucht es viel Ruhe und Schlaf. Spaziergänge sind hierbei für den Anfang meist noch viel zu viel, denn sie sind mit dem Verarbeiten der Reize des neuen Wohnumfeldes bereits vollends ausgelastet.
Der Garten für erste Erkundungen
Sofern Sie einen Garten haben, nutzen Sie diesen für erste gemeinsame Erkundungen. Jedoch nur, wenn dies nicht bereits überfordert und stets mit ausreichender Sicherung (doppelte Sicherung mit Sicherheitsgeschirr), um einem Entlaufen vorzubeugen. Denn auch ein hoher Gartenzaun bietet keine ausreichende Sicherheit. Hunde sind Meister im Klettern und auch ein Loch ist schnell unter dem Zaun hindurch gebuddelt.
Manche Hunde haben zu Beginn solch große Schwierigkeiten ihre neue Lebenssituation zu bewältigen, dass es nicht möglich ist, das Haus mit ihnen zu verlassen. Dies ist für eine gewisse Zeit völlig in Ordnung.
Wichtig bei allem ist
Machen Sie mit Ihrem Hund nur Dinge, die er leisten kann und zwingen Sie ihn nicht durch Situationen hindurch. Ein überforderter Hund kann kein Vertrauen fassen und wir wünschen uns doch alle eines – eine innige und vertrauensvolle Beziehung zu unserem vierbeinigen Familienmitglied.
Doch was benötigt ein jüngst eingezogener Hund, um ungewohnte Umstände zu bewältigen?
Vor allem braucht er ein Gefühl von Sicherheit und dabei können Sie ihn unterstützen, indem sie für Erwartungssicherheit sorgen. Also die Vorhersehbarkeit dessen, was als Nächstes passieren wird. Leider können wir frisch adoptierten Hunden nicht verbal erklären, was geschehen wird. Doch wir können durch Rituale und gleichbleibende Abläufe eben diese so wichtige Erwartungssicherheit geben.
Die ersten Spaziergänge
- Die meisten Hunde aus dem Tierschutz kennen Spaziergänge entweder noch nicht (insbesondere Auslandstierschutzhunde) oder sie haben aufgrund von längerer Zeit im Tierheim keine ausreichend ausgeprägte Muskulatur. Aus diesen Gründen und weil längere Spaziergänge in der Regel anfänglich überfordern, sollten diese erst einmal kurz gestaltet und dann langsam gesteigert werden.
- Wenn Ihr neuer Schützling nun also zu Hause und im Garten bereits gut zurechtkommt, können Sie beginnen, ihm behutsam und schrittweise neue Gefilde zu zeigen. Zu Beginn reicht es oft vollkommen aus, die gleiche kurze Strecke hin und wieder zurückzulaufen. Nutzen Sie bei jedem Spaziergang unbedingt die doppelte Sicherung, um auch in möglichen Schreckmomenten auf der sicheren Seite zu sein. Wir können nie wissen, wie ein neuer Hund reagiert.
- Verwenden Sie auf Spaziergängen und im Garten ruhig zwei längere (3 Meter) Leinen. Viele Hunde empfinden es angenehmer, wenn sie nicht direkt neben ihrem neuen Menschen laufen müssen und viel Gelegenheit zum Schnüffeln und Erkunden haben.
- Sollten Sie in einer sehr städtischen Umgebung wohnen, so fahren Sie für Spaziergänge lieber in eine ruhige Umgebung. Dies hat den schönen Nebeneffekt, dass das Autofahren sogleich positiv verknüpft wird. Achten Sie dabei ebenfalls stets auf ausreichende Sicherung, auch beim Aussteigen aus dem Auto.
Der Inselspaziergang für unsichere Hunde
Anfänglich sind die meisten Hunde auf Spaziergängen unsicher oder ängstlich. Sie reagieren schreckhaft auf viele Reize wie vorbeifahrende Autos, Kindergeschrei, die Plastiktüte, die im Wind vorbeifliegt oder den Nachbarhund und vieles mehr. Doch es gibt eine ganz wunderbare Methode, die sie unterstützt: den Inselspaziergang. Der Inselspaziergang erfüllt das Bedürfnis unserer Hunde nach Erwartungssicherheit.
Doch was genau ist ein Inselspaziergang und wie können Sie diesen etablieren? Der Inselspaziergang ist eine immer gleich bleibende Spazierrunde mit eingebauten Aktivitäts-Inseln.
- Überlegen und erkunden Sie, wo auf Ihrem Spaziergang geeignete Elemente sind, an denen Sie kleine Aktivitäten einbauen können. Hierzu eignen sich umgefallene Baumstämme, ein Baum mit dicker Rinde, Rasenflächen, kleine Mäuerchen und vieles mehr. An diesen Stellen (den Inseln) bauen Sie nun kleine Aktivitäten ein, die von nun an IMMER stattfinden, wenn Sie an diese Stelle gelangen: Zum Beispiel können Sie in der dicken Rinde eines Baumes eine kleine Leckerlie-Suche veranstalten. Wenn Ihr Hund gerne springt, lassen Sie ihn jedes Mal auf den umgefallenen Baum springen. Eine andere Inselstation könnte das Balancieren/Entlanglaufen auf dem Mäuerchen sein.
- Gibt es eine Bank auf Ihrer Runde? Perfekt! Nutzen Sie sie für eine Kuscheleinheit (sofern Ihr Hund das mag) und beobachten Sie gemeinsam die Umgebung. Mit Leckerlis bestückte Rasenflächen laden zum ausgiebigen Schnüffeln ein und bereiten viel Freude. Prinzipiell gilt: Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – erlaubt ist, was Ihrem Hund Spaß macht.
- Durch das Einhalten dieser gleichbleibenden Struktur weiß Ihr Hund nach einigen Spaziergängen mit dem gleichen Ablauf genau, was ihn auf den Spaziergängen erwartet (Erwartungssicherheit). Sollte er einmal ängstlich werden, wird die nächste Station mit großer Wahrscheinlichkeit Entspannung bewirken, denn Ihr Schützling hat die Aktivität bereits mit etwas Positivem verknüpft.
- Zwischen den Inseln sollte Ihr Hund natürlich genügend Gelegenheit haben, um Hundesachen wie Schnüffeln und Markieren, nachzugehen. Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn Ihr Hund anfangs noch nicht alle Tätigkeiten verrichten kann. Aufregung und Unsicherheit über die neue Situation sind ganz normal. Konzentrieren Sie sich auf Aktivitäten, denen Ihr Tierschutzhund bereits folgen kann. Wenn dies am Anfang bedeutet, an den Inseln gemeinsam die Umgebung zu beobachten, dann ist dies schon ganz viel wert. Lassen Sie ihm Zeit dabei und vielleicht schmeckt ihm währenddessen schon ein Hundekeks.
Hunde und Katzen auf Silvesterlärm vorbereiten
Management, richtiger Beistand und frühzeitiges Training
Silvester ist jedes Jahr aufs Neue eine große Herausforderung für unsere Heimtiere. Viele von ihnen durchleben panische Stunden oder sogar Tage. Wir Tierhalterinnen und Tierhalter wollen ihnen diese Zeit so stressfrei wie möglich gestalten, aber nicht immer haben wir die Möglichkeit, dem Lärm zu entgehen. Besonders mit Katzen ist ein Verreisen oder Wegfahren nicht so einfach möglich.
Wir haben daher Lisa Borchard, Referentin Tierschutz bei TASSO und Tierärztin mit dem Schwerpunkt Tierverhalten, um einige Tipps für die schlimmste Nacht des Jahres gebeten. Mit diesen Ansätzen können Sie Ihrem Vierbeiner beim Silvesterkrach helfen.
Management und Beistand
Hunde und Katzen lieben Normalität. Sie sind große Fans von Routinen. Genau diese geraten jedoch an Silvester durcheinander. Das passiert oft sogar schon in den Tagen vorher, da wir Menschen durch die Feiertage häufig unterwegs sind oder viel Besuch haben. An Silvester hilft es Tieren daher, wenn wir möglichst viel Normalität in den Tag bringen. In der Zeit rund um Silvester ist außerdem unser Management gefragt. Das beginnt damit, Freigängerkatzen frühzeitig nicht mehr rauszulassen, reicht über die gute Absicherung von Hunden auf Spaziergängen bis zum individuellen Beistand in der Silvesternacht selbst. Detaillierte Silvester-Tipps für Hund, Katze und kleine Heimtiere haben wir hier zusammengestellt.
Aktive Hilfe für Hunde und Katzen in der Silvesternacht
Was unseren Tieren in der Silvesternacht helfen kann, ist sehr individuell. Pauschal kann man da nur eines sicher sagen: Kein Heimtier sollte an Silvester alleine zu Hause bleiben. Auch wenn das Tier kein Problem mit Geräuschen hat, es kann doch immer mal etwas passieren, dass das Tier erschreckt oder verunsichert. Das bedeutet aber nicht, dass jedes Tier die ganze Zeit jemanden eng an seiner Seite haben will. Wie viel sozialen Beistand die Tiere wirklich möchten, ist sehr unterschiedlich. Wichtig ist es, dass wir uns anbieten. Uns also nicht aufdrängen, aber da sind. Dass wir eine normale Atmosphäre schaffen, in der wir ein Buch lesen, Musik hören oder fernsehen. Wenn das Tier dann Kontakt sucht, sollte es diesen Kontakt auch bekommen. Zum Beispiel durch entspanntes Streicheln.
Die Entscheidung, wie eng der Kontakt ist, sollte dabei dem jeweiligen Tier überlassen werden. Wir Halter:innen haben da meist schon ein gutes Bauchgefühl und eine gute Beziehung zum Vierbeiner, sodass wir wissen, ob unser Tier nur in der Nähe liegen oder intensiv durchgekrault werden möchte. Unsere Tiere senden jedoch oft auch subtile Signale, auf die wir achten können. Weiterhin kann man sich aber auch immer wieder mal versichern, ob das Tier noch gestreichelt werden möchte, indem das Streicheln kurz unterbrochen wird. Fordern Hunde oder Katzen durch Blicke, auffordernde Pfoten oder ein Stupsen wieder Kontakt ein, geht es weiter. Drehen sie sich weg, sollten wir das ebenfalls akzeptieren.
Es gibt jedoch auch Tiere, die sich lieber an einen aus ihrer Sicht sicheren Ort zurückziehen. Zum Beispiel ins Schlaf- oder Badezimmer. Auch dann ist es wichtig, dass wir ihnen zeigen, dass wir da sind. Wir sollten also die Türen offenlassen und zeigen, dass wir in der Nähe sind ohne uns aufzudrängen. Die Rückzugsplätze können wir den Tieren zusätzlich ein bisschen angenehmer gestalten, indem wir zum Beispiel eine bekannte Kuscheldecke bereitlegen. Grundsätzlich ist es eine gute Idee, wenn sichere Rückzugsorte schon vor Silvester etabliert werden. Wenn wir Menschen also aus den Vorjahren zum Beispiel wissen, dass sich unser Hund im Badezimmer besonders sicher fühlt, können wir das unterstützen und den Rückzug dorthin positiv verknüpfen, indem wir ihm dort schon vor Silvester eine Decke und immer wieder Kau- oder Schleckartikel anbieten.
Hilfsmittel wie Thundershirts, Gehörschutz und Co.
Es gibt einige Hilfsmittel, die Hunden und Katzen mit Geräuschangst die Tage rundum Silvester erleichtern können. Diese Hilfsmittel sind aber ebenfalls sehr individuell und für alles gilt: Es sollte nicht erst an Silvester eingeführt werden, sondern frühzeitig getestet und trainiert werden.
- Ein spezieller Gehörschutz für Hunde kann zum Beispiel dafür sorgen, dass diese weniger von dem Lärm wahrnehmen und leichter ruhig bleiben können.
- Auch sogenannte Thundershirts oder Tellington-Körperbänder helfen einigen Hunden und Katzen. Diese werden den Tieren angezogen bzw. auf eine bestimmte Art und Weise – die man sich vorher bitte unbedingt zeigen lassen sollte – gebunden. Dann üben sie einen leichten aber konstanten Druck auf den Körper aus. Das fördert die sogenannte sensorische Integration und führt zu einer besseren Körperwahrnehmung. Stark vereinfacht gesagt haben diese Hilfsmittel ähnliche Auswirkungen auf den Körper wie eine warme, geborgene Umarmung und können das Wohlbefinden der Tiere steigern. Auch für Katzen gibt es solche Shirts. Viele Katzen finden das anfangs jedoch sehr ungewohnt, daher sollte man es ebenfalls langsam trainieren und positiv verknüpfen.
- Auch Pheromone und Nahrungsergänzungsmittel können zur Stressreduktion bei leichten Ängsten eingesetzt werden. Entspannungsmusik hat oft eine beruhigende Wirkung und dämpft die Geräusche, die von außen kommen. Wenn diese vorher mit entspanntem Verhalten verknüpft wurde, kann sie dem Hund oder der Katze zusätzlich sehr wirksam in die Entspannung helfen.
All das sind natürlich keine Wundermittel. Aber es sind einige Tools, die die Situation für Hunde und Katzen in der Silvesternacht erleichtern könnten.
- Es gibt auch Massagetechniken, wie zum Beispiel die Tellington Touches, die Hunde, aber auch Katzen entspannen können. Sie haben auf viele Tiere eine beruhigende Wirkung und es gibt tolle Online-Kurse und Bücher, um sich mit dieser Methode vertraut zu machen und die beruhigenden Berührungen bereits vor Silvester zuhause auszuprobieren.
Wichtig bei all dem ist, selbst ruhig zu bleiben. Wer gestresst ist, überträgt diesen Stress schnell auf das Tier. Es ist also auch für uns Menschen wichtig, tief ein- und auszuatmen und sich zu fokussieren und voll auf den Hund oder die Katze einzulassen.
Woran erkenne ich, dass ich meinem Tier helfen muss?
Aktives Management ist immer gefordert, sogar wenn Hunde gar keine Angst haben. Damit das so bleibt, können Hundehalter:innen jede Menge tun.
Die meisten Hunde zeigen in der Silvesternacht eine milde Stresssymptomatik, das heißt, sie sind vielleicht etwas unruhiger als sonst, laufen auch mal durch die Wohnung, ziehen sich an ungewohnte Orte zurück. Obwohl sie recht ruhig wirken, sind das schon Verhaltensweisen, in die wir Menschen mit den oben aufgeführten unterstützenden Maßnahmen eingreifen können.
Wenn Hunde körperliche Symptome zeigen – wie zum Beispiel starkes Hecheln, Zittern, ungewohnte motorische Verhaltensweisen, Urin- und Kotabsatz, erhöhte Herzfrequenz, erweiterte Pupillen – kann das als eine rote Ampel gedeutet werden. Hier muss etwas getan werden. Entweder indem im kommenden Jahr weggefahren wird oder direkt mit Beginn des Jahres Unterstützung in Form von einer Verhaltenstherapie gesucht wird. Das ist ein Stress, den ein Tier nicht erleiden sollte, auch nicht nur für wenige Stunden im Jahr. Viele Hunde beeinträchtigt die Silvesterangst jedoch noch deutlich länger. Einige wollen auch Tage nach Silvester nicht mehr rausgehen oder sind dort sehr verunsichert. Spätestens wenn nach der Silvesternacht noch Probleme da sind, sollten Tierhalter:innen überlegen, was sie für das kommende Silvester ändern können. Zudem besteht die Gefahr der Generalisierung der Geräuschangst. Anfangs steht die Angst vor Feuerwerk im Vordergrund, häufig wird daraus aber im Laufe der Zeit eine Gewitterangst oder sogar eine generalisierte Geräuschangst, bei der viele verschiedene laute Alltagsgeräusche für das Tier problematisch werden.
Ansätze der Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie setzt dort an, wo der Reiz noch so klein ist, dass er keine negativen Emotionen auslöst. Bei der Desensibilisierung zum Beispiel, einer Methode in der Verhaltenstherapie, bekommt der Hund oder die Katze eine tolle Futterbeschäftigung und im Hintergrund wird ein Geräusch abgespielt, das so eine geringe Reizintensität aufweist, dass es beim Tier keine Angst auslöst. Nach und nach wird die Reizintensität gesteigert. Zeigt der Hund oder die Katze Stresssymptome, war der Trainingsschritt zu groß, denn das Training findet bei optimalem Verlauf gänzlich angstfrei statt. So werden die Tiere kleinschrittig und absolut stressfrei an verschiedene Geräusche gewöhnt.
Medikamente
Manchmal ist es auch sinnvoll, den Hund oder die Katze mit angstlösenden Medikamenten zu begleiten. Diese ersetzen jedoch nie das Training, sondern erleichtern dieses nur oder helfen in Situationen, die auftreten, wenn man mit dem Training noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass der Hund oder die Katze diese angstfrei erleben können. Für Hunde und Katzen gibt es zugelassene angstlösende Medikamente und auch Präparate aus der Humanmedizin, die unseren Tieren helfen können. Tierhalter:innen sollten hier frühzeitig in der Tierarztpraxis nachfragen und sich informieren, denn die psychischen Leiden der Tiere sollten ernstgenommen werden. Bei länger andauernder oder besonders starker Angst schüttet der Körper Stresshormone aus. Diese erhöhen unter anderem die Herz- und Atemfrequenz genauso wie es bei körperlichen Schmerzen passiert. Kurz gesagt, die Tiere leiden und es liegt in unserer Verantwortung als Tierhalter:innen dieses Leid zu minimieren oder im besten Fall zu verhindern.